Der gemeinsame Freundeskreis und auch die Familie sind oftmals Zeugen von Konflikten. Es erscheint daher naheliegend, dass hier auch Hilfestellung gefunden werden kann in der Konflikttransformation, also der Umwandlung der destruktiven Konfliktenergie in den konstruktiven Antrieb für gemeinsame Lösungen. Ein Vorteil, der hier erkannt werden kann, ist sicher das bestehende Vertrauensverhältnis und damit die Gewissheit, mit den eigenen Bedürfnissen gesehen zu werden und damit ausreichend Platz zu erhalten, das eigene Fühlen, Denken und Wollen zum Ausdruck zu bringen und zu einer Lösung zu finden, in der die eigenen Interessen Niederschlag finden. „Franz kennt mich, er weiß, wie ich ticke, und er kennt auch Anna – auf ihn hört sie“, wird da wohl die Motivation ausmachen, sich dem Freund mit dem unlösbar erscheinenden Konflikt anzuvertrauen.
Was es zu vermeiden gilt…
Für den Freund beziehungsweise die Freundin eine sehr ehrenhafte, wenngleich auch herausfordernde Aufgabe. Letzteres kommt in einem Zitat von Johann Paul Friedrich Richter, einem unter dem Namen Jean Paul bekannten deutschen Dichter des 18. Jahrhunderts, sehr deutlich zum Ausdruck, wenn dieser dazu festgestellt hat: „Nichts ist gefährlicher, als zwei Menschen auszusöhnen – sie zu entzweien, ist viel sicherer und leichter.“ Auch in der Praxis hört man oftmals Geschichten, wo Menschen unter Seufzen berichten, dass sie sich in den Streit von Freunden nicht mehr einmischen werden, zumal sie sich da schon einmal plötzlich in der Situation wiedergefunden haben, dass die beiden Streithähne sich zwar wieder verstanden haben, aber auf wundersame Weise plötzlich sie es waren, gegen den oder die sich die aufgestauten negativen Gefühle gerichtet haben. In der Tat gilt es behutsam zu sein, als freundschaftliche Vermittlungsinstanz etwa eigene Rollenbindungen nicht zu übersehen: Bin ich geeignet, hier zu vermitteln oder spiele ich vielleicht sogar selbst eine Rolle im Konflikt? Gibt es zu dem zu vermittelnden Streit eine thematische Verbindung von mir zu einer der beiden Seiten? Die eigene Bedeutung im Konfliktumfeld zu kennen ist unverzichtbar. Wird hier etwas übersehen, so kann rasch ein Hineinkippen in den Konflikt drohen mit der Gefahr einer Ausweitung und Eskalation.
Die Grenze für die Chance einer erfolgreichen Intervention durch Nachbarschaftshilfe liegt obendrein dort, wo ein Konflikt an der Grenze zur Eskalation in die Stufe vier (Koalitionen) steht. Ab diesem Punkt besteht nämlich die Gefahr, dass die Konfliktparteien im hinzugezogenen „Nachbarn“ nur einen potenziellen Verbündeten für den jeweils vertretenen Standpunkt sehen. Schnell kann dann eine Verstrickung in das Konfliktgeschehen erfolgen. „Du siehst das doch auch so“, ist da eine sehr deutliche Falle (man nennt das auch Triangulationsversuch), in welche man keinesfalls hineintappen darf mit einem „Natürlich.“. Derlei Bestätigungen werden von der anderen Seite des Konfliktes argwöhnisch zur Kenntnis genommen und sofort als Koalition gegen sich selbst gedeutet – und schon steckt man auch selbst im Strudel der Eskalation.
…und was man mitbringen sollte
Es bedarf der Bereitschaft, sich geduldig beide Sichtweisen anzuhören, und einer gewissen konstruktiven Neugier, um durch gezielte Fragen an die jeweiligen Beweggründe heranzukommen. Anders als bei einem Kaffeehausklatsch ist gewiss niemandem gedient, wenn vorschnell Ratschläge erteilt werden, die sich nur allzu oft als Bumerang erweisen und schon rasch zu einer weiteren Eskalation statt einer intendierten Transformation des Konfliktes führen. Die Qualifikationen eines Moderators beziehungsweise einer Moderatorin sollten für einen erfolgreichen Einsatz als Nachbarschaftshilfe also unbedingt gegeben sein. Es bedarf zunächst keiner Lösungsvorschläge, sondern der konsequenten Heranführung der Konfliktparteien an die Bedürfnisebene mit anschließender eigenverantwortlicher Ideensammlung und Lösungsvereinbarung. Auch ist von Bedeutung für den Erfolg dieser Hilfestellung, dass die hinzugezogene Person zu beiden Konfliktparteien in einem ausgewogenen Verhältnis steht und erst aktiv wird, wenn dies von beiden Seiten gewünscht wird.
Wie kann man das angehen?
Für die in einem Konflikt steckenden Menschen ist es meist zunehmend schwieriger, die Übersicht zu bewahren über die eigentlichen Themen des Konfliktes. Die Sichtweisen versteifen sich ja, die Emotionen vernebeln zunehmend die Fähigkeit, Flexibilität zu zeigen und die Bereitschaft, ein Thema auch von einer anderen Seite zu betrachten. Ein wichtiger Schritt wird es daher sein, selbst Ordnung hineinzubringen – was bei ein wenig Neugier und absoluter Befreiung von eigenen Wertungen und Schlussfolgerungen möglich ist. Wird man nun als Freund hinzugezogen und hat man für sich geklärt, dass man sich die Vermittlung zutraut, so stellt sich die Frage, wie man das am sinnvollsten anpacken kann. Hierbei kann der nachstehende beispielhaft skizzierte Weg helfen:
Sollte an einem Punkt erkannt werden, dass man einfach nicht mehr weiterzukommen scheint oder sich die Situation sogar verschlechtert, man als hinzugezogene Vermittlungsinstanz sich nicht mehr wohlfühlt in der Rolle, so ist das nicht weiter schlimm, wenn dies sofort transparent gemacht und nicht einfach so weitergemacht wird. Für Konfliktparteien ist gegebenenfalls auch das eine wichtige Erkenntnis, die sie da von außen gewinnen können: Es geht so nicht mehr weiter, und es ist erforderlich, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn weiterer Schaden vermieden werden soll.
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